Interview mit Kurt Söser

Im Gespräch zum "Tag des geistigen Eigentums"

Anlässlich des Tag des geistigen Eigentums 2017 haben wir Personen aus verschiedenen Bereichen zu diesem Thema befragt und erkundet, wo Lehrkräfte, Jugendliche, Entwickler und Entscheider mit dem geistigen Eigentum anderer Menschen konfrontiert werden bzw. wie sie dazu stehen. Hier kann man das Interview mit Kurt Söser lesen.
Originale setzen Zeichen: Wann und wofür haben Sie zum ersten Mal Unterrichtsmaterial aus dem Netz benutzt?

Kurt Söser: Lange schon bevor ich Lehrer war habe ich in einem Institut Mathematik-Nachhilfe gegeben. Damals gab es das Problem, dass wir für den täglichen Einsatz immer Aufgaben und Übungsbeispiele rasch zur Hand haben mussten. Es war schwierig, die passenden Unterlagen aus Ordnern zu suchen bzw. diese ordentlich zu verwalten und wir durften ja nicht aus Schulbüchern und dergleichen kopieren.

Da war das Internet eine willkommene Hilfe, wo man bei engagierten Kolleginnen und Kollegen, die ihre Übungsblätter online zur Verfügung stellten, rasch Material finden konnte. Ich dachte immer, warum müssen wir immer das Rad neu erfinden und habe später auch damit begonnen, meine Materialien über meine Homepage zur Verfügung zu stellen.

Originale setzen Zeichen: Zu welchen Themen bietet das Internet Ihrer Meinung nach die besten Materialien?

Kurt Söser: Als Mathematik-Lehrer bin ich hier natürlich vielleicht etwas voreingenommen und von der täglichen Praxis beeinflusst, aber es gibt im Internet so unglaublich viele geniale Materialien aus dem Bereich Mathematik, die einfach sensationell sind. Nicht nur die Fülle von Übungsblättern, sondern besonders die didaktisch aufbereiteten Lernhilfen sind immer wieder eine Bereicherung für meinen Unterricht.

Manchmal frage ich mich ehrlich, was ich als Lehrer eigentlich noch machen muss, wenn man sieht, welche tollen didaktischen aufbereitetem Angebote es kostenlos gibt. Zum Beispiel finden sich auf geogebra.org hunderttausende, hochwertige Mathematik-Applets und Worksheets, die den Schülerinnen und Schülern dabei helfen, Mathematik wirklich begreifen zu können. Und das alles kostenlos unter CC-BY-SA Lizenz.

Originale setzen Zeichen: Wie ist Ihre generelle Meinung zu OER?

Kurt Söser: Dank OER bekommen wir als Lehrer die Möglichkeit, einerseits auf die unglaubliche Vielfalt der Lehr- und Lernmaterialien schnell und einfach - und auch kostenlos - zugreifen und Ressourcen aus der Praxis für die Praxis nutzen zu können. Andererseits können wir auch selbst dazu beitragen, dass die Qualität und die "Brauchbarkeit" der Lehr- und Lehrunterlagen steigen.

Wenn ich nur auf ein Schulbuch oder andere "offizielle" Unterlagen zugreifen kann, dann schränkt das in der Methodenvielfalt ein und ständig selbst Material erstellen zu müssen, geht aus zeittechnischen Gründen nicht. Da sind OER einfach gewinnbringend.

Originale setzen Zeichen: Wo sehen Sie konkrete Vor- und Nachteile von OER?

Kurt Söser: Ich sehe den größten Vorteil in der Verfügbarkeit von vielfältigen Lehr- und Lernmaterialien. Ich kann als Lehrer so genau das ideale Unterrichtsmaterial für meine Schülerinnen und Schüler zusammenstellen und muss zugleich auch nicht befürchten, mich in eine rechtlich schwierige Situation zu bewegen, wie das der Fall wäre, wenn ich aus kommerziellen Schulbüchern kopiere.
Und eben auch die Möglichkeit des Austausches und der Optimierung von Unterrichtsmaterialien ist für mich ein riesiger Vorteil. Ich kann gutes Material noch besser machen und muss nicht komplett von vorne beginnen. Auch erfüllt es einen mit Stolz, wenn man merkt, dass das eigene Material von der Community angenommen und verwendet wird.

Als einen der wenigen Nachteile sehe ich die oft nicht klare Kennzeichnung von OER, zum Beispiel mittels CC-BY-SA-Lizenzen, sodass es manchmal nicht so klar ist, ob das jetzt auch eine "echte" OER ist. Auch das Auffinden von OER ist oftmals mit etwas Zeit verbunden, aber durch den Austausch in der Community findet man dann schon relativ rasch das, was man sucht.

Originale setzen Zeichen: Welchen Tipp können Sie Lehrkräften geben, die OER benutzen oder gar selbst erstellen möchten? Worauf sollten Sie achten?

Kurt Söser: Einer der wichtigsten Tipps für mich ist: Trau dich, du hast definitiv etwas, das jemand anderem hilft. Viele glauben leider immer, dass ihre eigene Arbeit nichts wert ist und sich niemand dafür interessiert. Das stimmt nicht! Jeder Beitrag ist willkommen und ich denke manchmal darüber nach, welche Schätze sich auf den Festplatten der Lehrkräfte befinden, die leider nie auffindbar sind.

Als weiteren Tipp sage ich immer: Niemand erwartet Perfektion! Es reicht, wenn das Material einen kleinen Mehrwert bringt, es muss keineswegs perfekt sein. Da glauben viele immer, dass alles fein säuberlich formatiert und kategorisiert und mit "Rüscherl und Mascherl" sein muss. Nein, KISS=keep it simple and stupid!

Und zu guter Letzt: Jede Lehrkraft sollte mit den Creative Commons bzw. der GNU General Public License vertraut sein, damit die eigenen Werke auch dementsprechend gekennzeichnet sind.

Biografie

Kurt Söser studierte an der Universität Salzburg Mathematik und Sport auf Lehramt. Sein Engagement gilt den neuesten Trends aus dem IKT-Bereich und er versucht ständig diese gewinnbringend in seinen Unterricht einfließen zu lassen. Sich selbst als „Visionär“ sehend zeichnet er ein Bild der Schule der Zukunft und kann dieses auf vielen Fortbildungen und Tagungen als Vortragender weitergeben.

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Weiterführende Informationen

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Das Magazin „Originale21“ ist ein gemeinsames Angebot von Helliwood media & education und der Microsoft Deutschland GmbH. Ziel ist es, die Thematiken „Schutz des geistigen Eigentums“ & "Datensicherheit" unter einer pädagogischen Dimension für Jugendliche und Lehrkräfte zugleich darzustellen und zu diskutieren.
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[www.microsoft.com | 20.04.2017 | 15:30]
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