Moderne Zeiten

Das Urheberrecht im digitalen Zeitalter

Das digitale Zeitalter ermöglicht mit CDs, MP3, Breitband-Internet und DVDs die perfekte Kopie des Originals und stellt damit das Urheberrecht auf den Prüfstand.
1997 versuchte ein pfiffiger Hochstapler die alleinigen Rechte am Internet zu verkaufen. Klingt unglaublich, ist aber wahr. Die Vorstellung, die größte Ansammlung geistigen Eigentums vermarkten zu können, klingt verlockend.
Die Geschichte des Urheberrechts hängt eng mit der Reproduzierbarkeit geistiger Werke zusammen und gewinnt damit in der heutigen Zeit mehr Brisanz denn je. Während man im Mittelalter sein geistiges Eigentum noch mit einem „Bücherfluch“ gegen Raub und Verfälschungen zu schützen glaubte, erkämpften sich bereits im 16. Jahrhundert einzelne Druckereien und Verleger die alleinigen Vermarktungsrechte an literarischen Werken.
1837 beschloss der Deutsche Bund erstmals eine Schutzfrist für geistige Werke. Seit 1965 gibt es in Deutschland das Urheberrechtsgesetz: "Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes."
Mediengeschichte ist Copyright-Geschichte

Das Urheberrecht und digitale Medien

Digitale Medien machen es möglich, Musik, Filme, Texte und Bilder ohne Qualitätsverlust zu kopieren und über das Internet weltweit zu vertreiben. Da, wo früher noch so etwas wie ein natürlicher "Kopierschutz" herrschte – jede Kopie verlor an Qualität und kostete viel Zeit – sind heute Original und Kopie nahezu identisch.
Ein wachsender Markt der Raubkopien wirkt sich verheerend auf die Wirtschaft aus, gefährdet die Existenz von Produzenten und Verlegern und bewegt die Betroffenen zum Handeln. Das Urheberrechtsgesetz steht vor der Aufgabe, einen fairen Interessenausgleich zwischen Urhebern, Wirtschaft, Verwertungsgesellschaften, Öffentlichkeit und Verbrauchern zu schaffen. Eine erste und zweite Novelle "zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" (2003 und 2008) ist die Antwort auf die Erfordernisse der modernen Informations- und Medienwelt.
Das Urheberrecht ist eine Reaktion auf die Reproduzierbarkeit geistigen Eigentums. Mit der Erfindung des Buchdrucks und der Möglichkeit des unbegrenzten Reproduzierens, stellte sich die Frage nach der Verteilung der Rechte.
Die digitalen Medien und das Internet stellen das Urheberrecht vor neue Herausforderungen. Nahezu identische Kopien von Musik, Filmen und Software können in großer Zahl und rasanter Geschwindigkeit über das Internet in Umlauf gebracht werden.
Der wachsende Druck der Wirtschaft wirkt sich auf das Urheberrechtsgesetz aus und zwingt die Politik zum Handeln. Mit einem ersten und zweiten „Korb“ wird das Recht des geistigen Eigentums modernisiert.
Nutzen Sie unsere thematisch passende Unterrichtsidee.
Der Streit um das Urheberrecht gleicht einer Revolution, ausgelöst durch die digitalen Medien. Wann sollte wer und vor allem warum geschützt werden? Von einem neuen Zeitgeist ist die Rede – gemeint ist der schrankenlose Informationsfluss dank Internet. Was schön klingt und sicherlich viele Vorteile mit sich bringt, geht oft zu Lasten von schöpferischen Tätigkeiten und geistigem Eigentum. Diesen Konflikt aufzulösen, heißt unterschiedliche Interessen zu vereinen. Die Rechte der Urheber, Wirtschaft, Verwertungsgesellschaften und Verbraucher wollen gleichermaßen gewahrt werden und stellen das Gesetz auf den Prüfstand.

Weitere Informationen

artnet
Eberhard Ortland: "Geschichte des Urheberrechts – Teil I: Druckausgleich" und "Geschichte des Urheberrechts – Teil II: Expansionen".
[www.artnet.de | 27.10.2011 | 15:41]
Hochschule Hamburg
"Das deutsche Urheberrecht" erstellt im Rahmen des Seminars „Copyright – auch ein Thema für Informationsspezialisten“ bei Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert im Wintersemester 2002/2003, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
[www.bui.fh-hamburg.de | 27.10.2011 | 15:42]
Bundesministerium der Justiz
Umfangreiche Informationen zur Anpassung des Urheberrechtsgesetzes: Erstes und zweites "Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschafts".
[www.bmj.bund.de | 27.10.2011 | 15:43]
Institut für Urheber- und Medienrecht
Das Institut für Urheber- und Medienrecht versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis im Medienbereich. Eine umfangreiche Dokumentation auf der Seite ermöglicht die genaue verfolgung und Entwicklung von Änderungen im Urheberrechtsgesetz.
[www.urheberrecht.org | 27.10.2011 | 15:44]