Geschichte wird gemacht!

Von Manipulation und Propaganda

Schon im Mittelalter war das Fälschen von Urkunden sehr verbreitet und wurde meist von Königen, Fürsten und Klöstern gleichermaßen veranlasst, um sich Rechte, Macht oder Besitz zu sichern.
"Geschichte ist Lüge, auf die man sich geeinigt hat." (Napoleon) Was war wohl die größte Lüge in der Geschichte? Die Hitler-Tagebücher oder vielleicht doch, wie in der Süddeutschen Zeitung diskutiert, die "Konstantinische Schenkung" (Constitutum Constantini). Mit diesem angeblich von Konstantin dem Großen erstellten Dokument rechtfertigte die römische Kirche 600 Jahre lang ihre Herrschafts- und Besitzansprüche über Rom und alle abendländischen Provinzen. Darüber hinaus erhielt der Papst einen Rang, der dem des Kaisers entsprach. Angefertigt wurde die Urkunde wahrscheinlich im 8. Jahrhundert. Ihr Urheber ist allerdings bis heute nicht bekannt.
Wenn auch historisch weniger bedeutend, sorgten die angeblichen Tagebücher von Hitler für ausreichend Wirbel in den deutschen Medien. Im April 1983 startet die Zeitschrift "Stern" mit der Veröffentlichung der geheimen Tagebücher Hitlers. Sehr schnell als Fälschung enttarnt, kostete der journalistische Coup den Verlag nicht nur einige Millionen, sondern zwang die Chefredaktion zum Abtreten. Auch der Verfasser und der Vertreiber der Dokumente gingen nicht straffrei aus.

Geschichte in Bildern

Manipulation und Propaganda hängen eng zusammen, wenn man davon ausgeht, dass hinter der Manipulation eine gezielte und verdeckte Beeinflussung zum eigenen Vorteil steckt.
Unter Stalin war die Bildmanipulation durch Beschneiden oder Retuschieren von Fotos ein beliebtes Mittel, um dem Betrachter eine bestimmte Sicht auf politische Ereignisse zu suggerieren. Moderne Verfahren der Bildbearbeitung erleichtern Fotografen mehr denn je, ihre Werke gemäß den politischen Interessen anzupassen.
Ein aktuelleres Beispiel von Manipulation zeigen zwei Bilder, die jüngst um die Welt gingen: Zwei offensichtlich manipulierte Fotos mit Kriegsschauplätzen sorgten in der Presse für Unruhe. Im Krieg zwischen Libanon und Israel half der Fotograf den düsteren Rauchwolken nach einem Bombenangriff auf Beirut per Photoshop nach. Und im Fall "Brian Walski" wurde eine Szene aus zwei Fotos zusammengesetzt. Beide Fotografen wurden von ihren Auftraggebern entlassen.
In den vergangenen Jahrhunderten diente das Fälschen von Urkunden hauptsächlich der Sicherung von Rechten, Macht und Besitz.
Totalitäre Regime wie der Nationalsozialismus oder die Diktatur Stalins nutzten die Geschichtsfälschung zur Rechtfertigung der Machtansprüche und zur Verharmlosung von Unrecht.
In der jüngeren Geschichte sorgen eher journalistische Beiträge, vor allem Fotos, mit denen die Geschichte ins rechte Licht gerückt wird, für Aufsehen.
Nutzen Sie unsere thematisch passende Unterrichtsidee.
Ob manipulierte Bilder, falsche oder nicht-existente Quellen, falsche Behauptungen, gefälschte Urkunden oder individuelle Interpretationen – Geschichtsfälschungen verfolgen in den meisten Fällen das Ziel, Unrecht zu verharmlosen, Rechtsansprüche geltend zu machen oder sich persönlich zu bereichern.

Weitere Informationen

Süddeutsche Zeitung
Markus C. Schulte von Drach: "Was war die größte Fälschung aller Zeiten?", Süddeutsche Zeitung, 04.12.2007: Ein spannender Artikel zum Fall "Konstantinische Schenkung".
[www.sueddeutsche.de | 28.10.2011 | 10:53]
Süddeutsche Zeitung
"Bombenschäden per Photoshop", (von ut), Süddeutsche Zeitung, 09.08.2006; ein Bericht mit Bildmaterial über die Fotomanipulation im Krieg zwischen Libanon und Israel.
[www.sueddeutsche.de | 28.10.2011 | 10:54]
Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.
Zum Thema "Medien und Krieg" bietet die Seite umfangreiche Informationen zu Bildmanipulation, Umgang mit Fotos und Macht der Fotos.
[www.friedenspaedagogik.de | 28.10.2011 | 10:55]
Projekt Gutenberg
Das Projekt Gutenberg präsentiert Literatur im Volltext. Seit 1994 im Netz, hat das Projekt seit April 2002 bei SPIEGEL ONLINE seine Heimat gefunden.
[gutenberg.spiegel.de | 28.10.2011 | 10:56]