Auf dem Glatteis

Die Wunder der Wissenschaft

Lange Zeit hielt man Deutschland für fälschungssicheres Terrain, wenn es um die Wissenschaft ging. Diesem Bild des Forschungsethos setzte ein Skandal in der deutschen Krebsforschung ein jähes Ende.
Täuschung, Betrug und Schwindel sind Phänomene, die sich entlang der Geschichte durch alle wissenschaftlichen Bereiche ziehen.
Ist das Weltbild von Ptolomäus ein Plagiat? Sind die Experimente von Galilei erfunden? Werden moderne Erkenntnisse in der Krebsforschung nur abgeschrieben und wie kommen gefälschte Malariatabletten in Umlauf?
Getrieben von Ruhm und Ehre, sind die Gründe und die Motivation für den Schwindel vielschichtig. Sie reichen von persönlichen Motiven wie Publizierzwang, Geltungssucht bis hin zu Machtstreben; sie dienen mittlerweile auch im Wettlauf um Fördermittel der finanziellen Bereicherung oder sind schlichtweg der Versuch, dem hohen Erwartungsdruck der Gesellschaft gerecht zu werden.
Großes Entsetzen machte sich unter den Wissenschaftlern breit, als 1997 herauskam, dass anerkannte, deutsche Krebsforscher [Christine Jähn: „Die Reputation zu verlieren ist die härteste Strafe“, ZEIT online, 30.12.2005.] wissenschaftliche Publikationen gefälscht, Gutachtergremien getäuscht und unberechtigt Fördergelder eingeworben haben.
Obwohl das deutsche Recht Haftstrafen von bis zu fünf Jahren für Betrug vorsieht, werden die Fälle von Betrug in der Wissenschaft in der Regel durch institutsnahe Ausschüsse geklärt. Auch im Falle der Krebsforschung ging man davon aus, dass die Schädigung des Leumunds Strafe genug ist. Gerichtlich verhandelt, wurde lediglich eine teilweise Rückzahlung von Fördermitteln.
Von Fälschung in der Wissenschaft spricht man, wenn manipulierte, erfundene oder kopierte Ergebnisse in betrügerischer Absicht publiziert werden.
Nur in seltenen Fällen von Betrug in der Wissenschaft kommt es zu gerichtlichen Verhandlungen, da man davon ausgeht, dass der geschädigte Ruf einer Institution oder einer Person meist schon Strafe genug ist.
Gründe für Fälschungen in der Wissenschaft können sehr vielschichtig sein und reichen von persönlichen Motiven über finanzielle Bereicherung bis hin zur Erfüllung des gesellschaftlichen Erwartungsdrucks.
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Ob eine Hausaufgabe kopiert, Universitätszulassungen gefälscht oder Studienabschlüsse gekauft werden, in jedem Fall handelt es sich um eine bewusste Fälschung und damit um Betrug. Die digitale Technik und der Zugriff auf weltweites Wissen haben die Möglichkeiten des Fälschens in der Wissenschaft einfach gemacht. Aber gerade der Fortschritt in der Technik führt ebenfalls dazu, dass man Fälschungen immer schneller auf die Spur kommt.

Weitere Informationen

Betrug und Täuschung
Gerhard Fröhlich: „Betrug und Täuschung in den Sozial- und Kulturwissenschaften“, in: Hug, T. (Hg.), „Wie kommt die Wissenschaft zu ihrem Wissen?", 2001. Aufsatz über Betrug in der Wissenschaft und seinen Folgen.
[www.iwp.uni-linz.ac.at | 28.10.2011 | 10:36]
Wahrheitssucher auf Abwegen
Bernd Schuh: „Wahrheitssucher auf Abwegen - Mogelnde Forscher und ihre Motive"; ein Beitrag im Deutschlandfunk zum Thema „Wissenschaft im Brennpunkt“, 31.12.2003
[www.dradio.de | 28.10.2011 | 10:36]
Der Sündenfall
Marco Finetti, Armin Himmelrath: „Der Sündenfall – Betrug und Fälschung in der deutschen Wissenschaft“, 1999 Raabe-Verlag
[www.amazon.de | 28.10.2011 | 10:37]