Original oder Fälschung?

Fälschungen in der Kunst

Die Geschichte des Fälschens ist nahezu so alt wie die Kulturgeschichte der Menschheit. Es gibt nichts, was nicht gefälscht werden könnte: Bilder, Software, Bauwerke, Literatur, Musik, Lebensmittel, Urkunden, Münzen, Fotos, Filme ...
Jedes Original kann gefälscht werden, wenn das Know-how, die notwendigen Rohstoffe und die entsprechende Technik vorhanden sind. Pioniere in Sachen Fälschung waren sicherlich die Geldfälscher. Schon im 6. Jahrhundert vor Christus ließ der Tyrann Polykrates auf Samos von seinen Sklaven Münzen aus Blei herstellen, die nur mit einer hauchdünnen Schicht Gold überzogen waren. Damit brachte er seine Feinde um die vermeintliche Beute.
Wurde man in früheren Zeiten beim Geldfälschen erwischt, waren Strafen wie das Abhacken einer Hand, das Sieden in Öl oder die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen üblich. Auch heute gilt noch: Wer in betrügerischer Absicht fälscht oder gefälschte Produkte erwirbt, muss mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe rechnen.
Meilensteine der Fälschungsgeschichte

Fälschungen in der Kunstgeschichte – oder ein Trojanisches Pferd

Die Geschichte des Fälschens hängt eng mit der Geschichte der Kunst zusammen. Wenn Phidias in der Antike eine Skulptur seines Lieblingsschülers mit seinem Namen signierte, um ihm auf dem Markt größere Absatzchancen zu ermöglichen, oder Schüler ihre Meister bis zur Perfektion kopierten, war man noch weit entfernt von der heutigen Fälschung. Vielmehr bezeichnete man diese Werke als Reproduktionen, Imitationen oder Kopien, die mit betrügerischen Absichten in Umlauf gebracht wurden. Erst mit einem neuen Kunstverständnis, dem Sammlertrieb und Handel von Kunst im bürgerlichen 19. Jahrhundert kommt dem Original und der Fälschung eine ganz neue Bedeutung zu.
Die Ranking-Liste um die meist gefälschten Künstler des 20. Jahrhunderts wie Chagall, Miró und Picasso wird von Dalí angeführt. Aber nicht nur den Künstlern selbst widmet man Aufmerksamkeit, sondern auch den Fälschern werden zahlreiche Anekdoten angedichtet. Im 15. Jahrhundert flog Michelangelo als Fälscher auf, was seinem Ruhm jedoch scheinbar nicht weiter geschadet hat. Als der bekannteste Fälscher des 20. Jahrhunderts geht der holländische Maler Han van Meegeren in die Geschichte ein. Er hat sich auf Werke des holländischen Meisters Jan Vermeer spezialisiert. Nachdem es ihm 1942 gelang, eine seiner Vermeer-Fälschungen an Hermann Göring zu verkaufen, wurde er 1945 wegen Betrugs verurteilt.
Vom Fälschen in der Kunst spricht man erst mit dem Wandel des Kunstverständnisses im bürgerlichen 19. Jahrhundert. Mit dem Marktwert von Kunst bekommen das Original und die Fälschung eine ganz neue Bedeutung.
Standen früher eher noch die handwerklichen Fertigkeiten im Vordergrund, rückt die Bedeutung des Urhebers und seines „geistigen Eigentums“ erst im Laufe der Geschichte in den Vordergrund. Seit 1857 gibt es einen ersten allgemeinen Urheberrechtsschutz.
Auch heute gilt noch, dass nicht das Kopieren der Kunst per Gesetz unter Strafe steht, sondern der Betrug, der den Handel mit falschen – das heißt unter falschen Urhebernamen angebotenen – Kunstwerken betrifft.
Nutzen Sie unsere thematisch passende Unterrichtsidee.
Gefälscht wird alles, womit Machtansprüche geltend gemacht oder auf dem Markt hohe Preise erzielt werden können. Ob in der Kunst, der Wissenschaft oder in der Geschichte, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Man schätzt, dass heute 40% der am Markt befindlichen Kunstwerke Fälschungen sind.

Weitere Informationen

Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte
Die größte und umfassendste Enzyklopädie auf dem Gebiet der Kunstgeschichte, die seit 2007 auch online verfügbar ist. Umfangreiche Funktionen ermöglichen die Suche in einer alphabetischen Artikelliste, im Volltext und nach systematischer Einteilung.
[rdk.zikg.net | 28.10.2011 | 10:15]
Der Begriff des Fake
Dissertation zum Thema „Fake“ und „Fälschung“. Im zweiten Kapitel beschäftigt sich der Autor mit geschichtlichen Dimensionen des Fälschens und den Fälschern: Stefan Römer, M.A., Humboldt-Universität zu Berlin, Februar 1998.
[edoc.hu-berlin.de | 28.10.2011 | 10:17]
Echtes Geld für falsche Kunst
Der Klassiker über die deutsche Kunstfälscher-Szene. Das Online-Angebot bietet einen kurzen Über- und Einblick in das gleichnamige Buch von Klaus Ahrens und Günter Handlögten.
[www.kunst-faelschung.de | 28.10.2011 | 10:18]
Die Kunst des Fälschens
"Die Kunst des Fälschens", ein Artikel von Dela Kienle zum Thema Kunstfälschungen, Spiegel, 23.12.2007
[www.spiegel.de | 28.10.2011 | 10:20]